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Turnverein Weil 1884 e.V. - Faustball-JEC 2010

Landeszuordnungen bei BTB und STB (26.02.2011)

Die hier verwendeten Bezeichnungen “Baden / Württemberg-Hohenzollern” oder auch “Württemberg-Hohenzollern” als Landesbezeichnungen sind nicht nur etwas ungewohnt, sie bedürfen der Aufklärung. Diese Schwierigkeit ist vornehmlich der Tatsache geschuldet, dass die Verbandsverhältnisse im deutschen Südwest-Staat aufgrund der besonderen Nachkriegsentwicklungen schon weit fortgeschritten waren, als die staatliche Neubildung des Bundeslandes Baden-Württemberg im Jahre 1952 gegen den Willen der Altbadener vollzogen wurde, und deswegen von Sport- und anderen Verbänden, wie auch den Kirchen, nur teilweise bis gar nicht mitgetragen worden sind.

Es hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in manchen Sportarten eingebürgert, den Begriff “Schwaben” als Landesbezeichnung für das Verbandsgebiet des Schwäbischen Turnerbundes (STB) zu benutzen. Das führt aber leicht zu Missverständnissen mit dem historisch-mittelalterlichen “Schwaben” und vor allem der Amtsbezeichnung “Schwaben” für den bayrischen Regierungsbezirk mit der Hauptstadt Augsburg. Bei den Turnern wie bei vielen anderen Verbänden heißt auch dort der entsprechende Bezirksverband des Bayrischen Turnerbundes, "Schwaben". Die Verwendung dieses Begriffs soll hier also ganz vermieden werden, zumal “Schwaben” im Gegensatz zu “Baden” nie eine staatliche Bezeichnung war.

Im Fall von “Baden” bzw. des Badischen Turnerbundes (BTB) liegt die Sache noch relativ einfach: Der BTB bezieht sich in seiner Satzung als Verbandsgebiet auf die Vereine der beiden badischen Regierungsbezirke (das waren “Nordbaden” und “Südbaden“) in den Grenzen vor 1971, also vor der eigentlichen baden-württembergischen Gebietsreform. Damit ist mit “Baden” ein Gebiet identifiziert, das zwischen 1809 und 1945 i.W. als staatliche Einheit existiert hat. Die entsprechenden Verwaltungsgrenzen der Regierungsbezirke wurden mit der Gebietsreform von 1972-75 aufgehoben, die neu zugeschnittenen Regierungsbezirke nach ihren Hauptstädten (Freiburg, Karlsruhe, Tübingen und Stuttgart) benannt. Im Sport leben aber weitgehend die alten Grenzen (vor 1971) fort.

Der STB bleibt in seiner Satzung demgegenüber weniger klar und bezieht sich dort auf die Satzung des Württembergischen Landessportbundes (WLSB), der seinerseits, scheinbar analog zum badischen Fall, aber wahrscheinschlich bewusst unpräzise, von den “zwei württembergischen Regierungsbezirken” spricht. Diese hießen aber “Nordwürttemberg” und “Südwürttemberg-Hohenzollern”, sodass der stillschweigende Einschluss Hohenzollerns verschleiert, wenn nicht absichtlich übergangen wurde.

Diese stillschweigende sportpolitische Eingemeindung Hohenzollerns zu Württemberg war aufgrund der Staatsbildung in der französischen Zone und des daraus enstandenen, ursprünglichen Bundeslandes (Süd-)Württemberg-Hohenzollern (1949-52) sowie des territorial identischen, ab 1952 folgenden Regierungsbezirks Südwürttemberg-Hohenzollern (1952-72) naheliegend, trivial war dies aber nicht.

Sportpolitisch hatten die Nationalsozialisten das Zollernturngau an das "Schwabengau" angeschlossen, parteipolitisch ebenso, vor der definitiven staatlichen Vereinigung hatten sie jedoch bis zuletzt zurückgeschreckt.

Andererseits gehört auch heute die in den ehemals preußischen “Hohenzollerischen Landen” dominierende Katholische Kirche noch immer zum (sonst badischen) Erzbistum Freiburg und nicht zum (württembergischen) Bistum Rottenburg-Stuttgart. Die fünf evangelischen Gemeinden dieses Gebiets haben sich dagegen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg angeschlossen.

Die grundsätzliche Angliederung der hohenzollerischen Gebiete an Württemberg hat aber auch seine Ausnahmen: Denn gerade im Vorfeld der baden-württembergischen Gebietsreform gab es im vom Grenzverlauf äußerst unübersichtlichen Gebiet zwischen den (süd)badischen Städten Pfullendorf, Messkirch und Stockach einige weitgehend einvernehmliche Grenzkorrekturen, die verschiedene Exklaven und Halbexklaven bereinigten, wodurch hohenzollerische Ortschaften (und Vereine) zu Südbaden kamen, wo sie schon immer sportlich hinorientiert waren. Diese Bereinigungen sind i.W. im Vorfeld des 1.1.1971 erfolgt, sodass hierzu "Rechtssicherheit" hergestellt ist. Im Gegenzug brachten die nachfolgenden Korrekturen für die ehemals hohenzollerische Gemeinde Ostrach, Kreis Sigmaringen, sechs km östlich von Pfullendorf, die kuriose Situation, dass sie heute Gebietssprengel aller drei früheren Landesteile vereinigt.

Diesem Umstand wird Rechnung getragen, wenn in hier aufgeführten Aufstellungen als Länderzuordnung im Falle des BTB von “Baden” und im Falle des STB von “Württemberg-Hohenzollern” gesprochen wird. Dieser Namensgebung entspricht im übrigen auch der des Tischtennisverbandes Württemberg-Hohenzollern mit identischem Verbandsgebiet.

Entsprechend dieser Namensgebung wird für gemeinsame Teams des BTB und des STB nicht der naheliegende Begriff “Baden-Württemberg” verwendet, sondern “Baden / Württemberg-Hohenzollern”. Damit wird auch auf die weiterhin scharf getrennten Verbandsgebiete hingewiesen.

Damit ist aber keineswegs der Boden dieser südweststaatlichen Gebietsproblematik erreicht. In vielen wichtigen Sportarten (z.B. Fußball, Handball, Tischtennis oder Volleyball) gibt es zwei badische Verbände, inklusive zweier Landesverbände als entsprechende Dachverbände, den Badischen Sportbund Freiburg und den Badischen Sportbund Nord, letztlich also als Folge der Nachkriegsbesatzungsgrenzen. Diese (zusammen mit dem WLSB) drei territorial getrennten baden-württembergischen Landessportbünde haben zu allem Elend noch eine Dachorganisation, den Landessportverband Baden-Württemberg (LSV BW), der die gemeinsamen Interessen, vor allem gegenüber der Landesregierung, bündeln soll. Selbstverständlich gibt es auch (eher wenige) Fach-Sportverbände, wie z.B. Basketball und Tanzsport, die landesweit organisiert sind und "politisch erwünscht" sind.

So lag es 2007 nahe, den langjährigen Präsidenten des Basketballverbandes Baden-Württemberg, Dieter Schmidt-Volkmar, nach seiner Demission beim BBW zum gesamt-baden-württembergischen LSV-Präsidenten zu wählen.

Die innerbadische Teilung ist - außer der unterschiedlichen Zugehörigkeit zu den Besatzungszonen - auch die Folge der unterschiedlichen politischen Haltungen zur Südweststaatsfrage der damaligen (süd-)Badischen Landesregierung Wohleb (ehemals französische Zone) einerseits und den führenden nordbadischen Vertretern (Heinrich Köhler) in der Landesregierung von Württemberg-Baden (ehemals amerikanische Zone) andererseits. Der nicht ganz unbegründete, aber unterschiedlich aufgenommene damalige Anspruch Leo Wohlebs für ganz Baden sprechen zu können, wirkt auf unterschiedliche Weise weiter fort.

Dabei haben verschiedene nordbadische Verbände, trotz der Existenz eines südbadischen Pendents, den gesamtbadisch klingenden (Vorkriegs-)Verbandsnamen (z.B. Badischer Handballverband) beibehalten, obwohl man nunmehr über 60 Jahre getrennt ist.

Der Badische Turnerbund (BTB) und der Badische Leichathletikverband (BLV) gehören dagegen zu den wenigen, die gesamtbadisch benannt sind und gesamtbadisch sprechen. Insbesondere der BTB gilt als "badisches Bollwerk" und zugleich strategisches Ziel im Hinblick auf noch immer aktuelle württembergischen Vereinigungsfantasien.

Weitere Sonderentwicklungen gibt es noch um den früheren Landkreis Lindau, der nach dem Krieg als einziger Bayrisch-Schwabens, quasi als Landbrücke zum ebenfalls französische besetzten Vorarlberg und Tirol, dem französischen Besatzungsgebiet zugeordnet wurde. Mit einem Sonderstatus wurde er dem französich besetzten Land (Süd)Württemberg-Hohenzollern angegliedert. 1950, nach der Gründung der Bundesrepublik, wurde die parlamentarische Vertreteung vom Bundesland (Süd)Württemberg-Hohenzollern wieder nach Bayern verlegt, die endgültige politische Rückgliederung des Landkreises zu Bayern war erst mit dem Ende des Besatzungsstatus 1955 möglich und wurde 1956 tatsächlich abgewickelt..

Die Lindauer Sportpolitiker (und vielleicht nicht nur diese) verhandelten noch viel länger. Die "Rückkreisung" per 1.1.1974 brachte optimale Verhältnisse für das "bayrische Juwel am Bodensee". Die finanziellen Privilegien der Übergangsjahr(zehnt)e konnten für weitere 10 Jahre erhalten werden, der Sportkreis kann Übungsleiterausbildungen selbst durchzuführen, kann Sportabzeichen verleihen und hat quasi freie Wahl für seine Sportler, ob sie ihre Sportart in bayrischen oder württembergischen Verbandsverhältnissen ausüben wollten.

Die Folge davon ist, dass inzwischen die Lindauer zwar dem Bayrischen Turnverband angehören, Faustball weiterhin aber im STB spielen, was möglicherweise auch in der Aufteilung in Bayrischen Turnverband und Bayrischem Turnspielverband zusammenhängt. Und die Fußballer der Landkreises spielen, wie die Neu-Ulmer, im württembergischen Verband…

Ähnliche komplizierende Nachwirkungen von Nachkriegsverhältnissen gibt es auch in anderen Bundesländern, vor allem in Rheinland-Pfalz.